USA: Ist das Glas halb voll?

Amerikanische Unternehmen mögen sich über globale wirtschaftliche Ereignisse Sorgen machen, aber auf dem heimischen Markt sind Besserungen in Sicht. Für große Begeisterung besteht aber noch kein Anlass.

 

Joe DiNovo, Business Development Manager, Grundfos Pumps Corp., USA

Von Joe DiNovo, Business Development Manager, Grundfos Pumps Corp., USA

Die Wahl in den USA ist endlich vorbei. Vielleicht können wir jetzt wieder durchatmen.

Solange der Wahlkampf dauerte, befanden sich viele US-Unternehmer in Wartestellung. Denn sie fragten sich: Welche Finanzpolitik wird die künftige Regierung führen? Daher wurden Investitionen verschoben und weder neue Anlagen gekauft noch neue Mitarbeiter eingestellt.

Erstens befürchteten sie eine weitere Rezession. Zweitens hatte sich die Wirtschaft seit der letzten Rezession 2008 und 2009 nicht erholt. Und drittens waren sie unsicher, wie sich das nächste Jahr entwickeln wird, u. a. in Anbetracht eines schwachen Konsumklimas, der andauernden Finanzkrise in Europa, der abflauenden chinesischen Konjunktur und des Ausgangs der US-Wahl.
Diese Unsicherheiten veranlassten US-Unternehmer zum Abwarten.

Kürzlich besuchte ich die diesjährige Global Forecasting & Marketing Conference der Association for Manufacturing Technology (AMT). Auch hier war die allgemeine Stimmung von Ungewissheit und Abwarten geprägt.
Diese Ungewissheit kam auch in der Rede von Angel Martinez zum Ausdruck, Manager des Bereichs Advanced Manufacuring Engineering bei Caterpillar Inc. (CAT), einem der größten Baumaschinenhersteller der Welt.
Herr Martinez sprach die Herausforderungen an, denen sein Unternehmen im aktuellen wirtschaftlichen Klima gegenübersteht. So senkte CAT z. B. kürzlich seine Prognose für das vierte Quartal 2012 und für das Jahr 2013, trotz eines sehr guten dritten Quartals 2012. Die größten Sorgen bereiten dem Unternehmen aber die Aussichten in Europa und den Schwellenländern.

Auch die Mittelschicht wartet
Angehörigen der Mittelschicht geht es ähnlich wie Unternehmern –  sie warten ebenfalls auf gute Zeichen. Sie sind noch nicht bereit, in großem Stil in neue Autos und neue Immobilien zu investieren. Denn Lebensmittel und Kraftstoff werden immer teurer und die Inflation steigt. Löhne und Gehälter steigen hingegen sehr langsam. Gleichzeitig kürzen Krankenversicherer medizinische Leistungen und erhöhen die Versicherungsprämien. Das Geld, das die Menschen daher nicht ausgeben, fehlt, um die Wirtschaft in Industrie und Gewerbe anzukurbeln.

Ein halbes Glas Wasser
Jetzt, wo die Wahl vorüber ist, stellt sich die Frage: Wie lange wird es dauern, bis sich etwas ändert? Ich weiß es nicht. Es würde mich wundern, wenn jemand zur jetzigen Zeit eine Antwort darauf hätte. Ich sehe aber andererseits die jetzige Situation etwas nüchterner als der eine oder andere Zeitgenosse. Für mich ist das Glas weder halb voll noch halb leer. Es ist einfach nur ein halbes Glas Wasser.

Vorsichtiger Optimismus
Und so sieht die Andere, die vielleicht bessere Hälfte des Glases aus: Es gibt Wirtschaftswachstum in den USA, was sich an einstelligen Zuwachsraten zeigt – wir befinden uns also nicht in einer wirtschaftlichen Depression. Die Menschen sind zwar vorsichtig, aber auch vorsichtig optimistisch. Die Latte hängt zur Zeit nur etwas niedriger. Wenn Unternehmen unter diesen Umständen gerade die Gewinnzone erreichen oder moderates Wachstum erleben, dann haben sie ein gutes Jahr. Zur Zeit muss man das als einen akzeptablen neuen Standard hinnehmen.

Die Atmosphäre bei der diesjährigen IMTS-Handelsmesse in Chicago war auch eher positiv. Es herrschte keine Untergangsstimmung, sondern vorsichtiger Optimismus.

Und es gibt auch andere positive Meldungen: Der Werkzeug-maschinenhersteller Mori Seiki beispielsweise hat in den USA mit dem Bau eines neuen Werks mit 18.600 m2  Fläche begonnen, und der Werkzeugmaschinenhersteller Mazak erweitert seine Produktion in den USA. Führende globale Unternehmen aus dem Ausland sehen also immer noch Vorteile darin, in den USA zu produzieren. Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen steigen die Produktionskosten in Übersee auf Grund steigender Arbeitskosten, längerer Transportzeiten, anziehender Grundstückspreise und strengerer Umwelt- und Sicherheitsbestimmungen. Zum anderen sind die Produktionskosten in den USA stabil geblieben und haben sich in den meisten Fällen sogar verringert.

Dies als Vorzeichen eines Aufschwungs innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre zu bewerten, halte ich jedoch für verfrüht. Trotzdem verstärkt dies den vorsichtigen Optimismus in der US-Wirtschaft.

Zur Zeit begnügen wir uns mit unseren halb gefüllten Gläsern Wasser, von denen manche sogar sagen, sie seien halbvoll!

 

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