Die Seele des Erfolges in Seoul

Die Auswirkung der für Südkorea so typischen Tatkraft-Mentalität auf die Werkzeugmaschinenbranche

 

Von Kang Ho Lee, General Manager, Grundfos Pumps Korea, Ltd.

Von Kang Ho Lee, General Manager, Grundfos Pumps Korea, Ltd.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Marken wie Hyundai, Kia, Samsung, LG und Daewoo kennen, ist relativ groß – vielleicht besitzen Sie sogar ein Produkt dieser Marken. Es ist noch gar nicht so lange her, dass man außerhalb von Korea, noch nie etwas von diesen Marken gehört hat. Die Erfolgsgeschichte hinter diesen koreanischen Unternehmen steht symbolisch für den unglaublichen Erfolg, den Südkorea in den vergangenen fünfzig Jahren errungen hat. Wie ein Phönix aus der Asche hat unser Land bei Null begonnen und sich zu einer der größten Wirtschaftsnationen der Welt entwickelt.

 

Die koreanische Fertigungsindustrie muss sich diese Entwicklungen und Erfolge vor Augen halten, wenn Sie sich den Problemen und Herausforderungen der Welt von heute stellt.

Das Wunder
Südkorea – und insbesondere Seoul am Fluss Han – lag Ende des Koreakriegs im Jahr 1953 in Trümmer und Asche. Unser kleines Land gehörte damals zu den ärmsten Ländern der Welt. Es mangelte an natürlichen Bodenschätzen, die Nahrungsversorgung war am Ende und das Land war überbevölkert. Im Jahr 1961 waren laut Berichten der Weltbank, „die Aussichten für die Entwicklung Koreas alles andere als vielversprechend“.

Doch die Menschen in Korea besitzen die für dieses Land so typische Mentalität der unermüdlichen Tatkraft. Wenn wir von etwas träumen, dann glauben wir daran, dass wir es schaffen – und dann schaffen wir das auch. Als wir zu den ärmsten Ländern der Welt gehörten, war der Wiederaufbau unseres Landes oberstes Ziel und wir haben es geschafft.

Vor fünfzig Jahren haben unsere wirtschaftlichen und politischen Führungspersönlichkeiten den Wandel vorangetrieben. Sie legten für uns eine Richtung und einen Kurs fest, der sich durch Bildung, industrielle Entwicklung und Export kennzeichnete. Wir haben bei Null begonnen und jetzt im Jahr 2011 gehören wir zu den neun Wirtschaftsnationen weltweit, die ein Handelsvolumen von mehr als 1 Billion USD erreichen. Wir nennen es „das Wunder vom Fluss Han“.

Der Management-Guru Peter Drucker sagte einst: „Wir können das Thema Wirtschaftswachstum im 20. Jahrhundert nicht anschneiden, ohne Südkorea zu erwähnen.“

Der kleine Riese
Heute ist Südkorea weltweit die Nummer 1 im Schiffsbau und bei der Herstellung von LCD-Bildschirmen. Wir sind Zweiter weltweit in der Halbleiterbranche und in der Automobil- und Stahlindustrie auf Platz fünf bzw. sechs.

Auf dem globalen Werkzeugmaschinenmarkt befindet sich Südkorea auf Platz fünf –mit einem Markt halb so groß wie in Deutschland und nur ein Drittel so groß wie in Japan. Man nennt uns auch „Der kleine Riese“. Unsere Werkzeugmaschinenhersteller bedienen hauptsächlich den Binnenmarkt und tragen zum stetigen Wachstum von Kia und Daewoo bei.

Unsere Industrien stehen heute vor einigen neuen Problemen und Herausforderungen. Eines der größten Probleme stellt die Energieversorgung dar – daher ist es unser Ziel, unsere vollständige Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten zu reduzieren. Das zweite Problem basiert auf unserem Währungskurs. Aufgrund unseres hohen Handelsaufkommens befindet sich sehr viel Fremdwährung in Korea. Die Probleme in Griechenland und in der Eurozone haben beispielsweise zu dem Zeitpunkt, als ich diesen Kommentar verfasst habe, dazu geführt, dass unsere Währung – der koreanische Won – allein im letzten Monat fast 3 % an Wert verloren hat. Unsere inländischen Lieferanten leiden unter dieser Situation.

Doch dank unserer Mentalität der unermüdlichen Tatkraft findet Korea auch für diese Probleme eine passende Lösung. Unsere Industrien tätigen zurzeit sehr viele Investitionen in erneuerbare Energien und nachhaltige Lösungen. Samsung C&T hat im Oktober 2011 mit Grundfos ein globales Kooperationsabkommen für die Nutzung und Entwicklung nachhaltiger Lösungen und energieeffizienter Produkte für die moderne Bauindustrie unterzeichnet. Einige dieser Lösungen sind auf der EXPO 2012 zu sehen, die der Welt im Mai in Yeosu, Korea, die Türen öffnet.

Unser Währungsproblem versuchen wir in harter Arbeit und durch Erhöhung unserer Reserven für mehr Stabilität zu lösen. Zudem gibt es Programme, Fremdunternehmen zu Direktinvestitionen in Südkorea zu motivieren und Produktionswerke in unserem Land zu bauen.

Das Sandwich-Problem
Die Fertigungsindustrie Südkoreas muss sich einem ganz speziellen Problem stellen. Denn die in Südkorea hergestellten Produkte gehören weder zum obersten noch zum untersten Qualitäts- und Preissegment. Von oben bekommen wir den Druck der in Deutschland und Japan produzierten und weltbekannten technologischen Spitzenprodukte. Von unten bekommen wir Druck durch die Konkurrenz mit vergleichsweise günstigen, fast schon Billigprodukten aus China.

Um uns aus dieser Zwickmühle zu befreien, muss sich unsere Werkzeugmaschinenbranche der für Südkorea so typischen Tatkraft-Mentalität bedienen. Momentan stellen unsere Werkzeugmaschinenhersteller technologisch geringwertigere Produkte her, die hauptsächlich auf dem Binnenmarkt vertrieben werden. Um mit ausländischen Unternehmen konkurrieren zu können, müssen koreanische Hersteller die Produktqualität verbessern. Dabei wird mit global tätigen Spitzenunternehmen wie Grundfos zusammengearbeitet. Unsere Unternehmen müssen die Qualität ihrer Produkte verbessern und für eine längere Produktlebensdauer, eine höhere Effizienz und geringere Betriebs- und Wartungskosten sorgen.

Um mit Niedrigpreis-Produkten konkurrenzfähig zu bleiben, muss unsere Fertigungsindustrie das Konzept der Lebenszykluskosten (LCC) verstehen und umsetzen. Die Lebenszykluskosten einer Pumpenanlage bestehen zu 85 % aus Energiekosten. Durch den Umstieg auf eine besonders energieeffiziente Pumpentechnologie kann eine Verringerung der Lebenszykluskosten von bis zu 50 % erzielt werden. Da bei der Anschaffung eines hocheffizienten Motors mit einer etwas höheren Investition zu rechnen ist, beträgt die Amortisationsdauer für die Kostendifferenz in der Regel 2 Jahre oder weniger. Die Einsparungen, die diese hochwertigen Anlagen nach Ablauf dieser Amortisationsdauer mit sich bringen, ist „bares Geld“.

Der koreanische Werkzeugmaschinenmarkt wird heute von kleinen, lokalen Unternehmen mit begrenzten Ressourcen bedient. Mit unserem MIBC-Kompetenzzentrum (Asian Mechining Industry Business Competence Centre) können wir den Vertriebskanal unserer Kunden für den globalen Markt verbessern und ihnen dabei helfen, sich von der Konkurrenz abzuheben.

Im November 2011 haben wir in einem unserer drei koreanischen Fertigungswerke in Chungsuk das Filtersystem mit der neuen Grundfos MTA Pumpe ausgestattet und in Betrieb genommen, dank der die „schmutzintensive“ Seite unserer Bearbeitungsprozesse problemlos gehandhabt werden kann.

Wir haben das Ziel, einen Mehrwert für den koreanischen Fertigungsmaschinenmarkt zu erzielen – und Lösungen für die aktuellen Probleme und Herausforderungen aufzuzeigen. Die Tatkraft-Mentalität Südkoreas immer im Blick! Das Wunder am Fluss Han immer vor Augen!

Als Grundfos Korea vor 23 Jahren begonnen hat, musste es bei Null beginnen. Vor acht Jahren haben wir uns das Ziel gesetzt, die Umsatzerlöse innerhalb von vier Jahren zu verdoppeln. Wir glaubten daran, unser Ziel zu erreichen. Mit unserem Erfolg haben wir dazu beigetragen, dass wir uns zum größten Pumpenhersteller auf unserem Markt entwickelt haben. Unsere Ziele haben wir erreicht, weil wir daran geglaubt haben. Und die koreanische Fertigungsindustrie kann dies auch!

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