Pumpen: Das neue Barometer für den Werkzeug-Maschinenmarkt

Kommentar: Können auf der Grundlage von Pumpenumsatzzahlen Vermutungen getroffen werden, in welche Richtung sich der Werkzeugmaschinenmarkt entwickelt? Ja, auf jeden Fall. Und hier kommen die Gründe.

Von Ole Gerlich, Sales Development Director, bei Grundfos Werkzeugmaschinenbranche

Von Ole Gerlich, Sales Development Director, bei Grundfos Werkzeugmaschinenbranche

Unsere Welt dreht sich um Flüssigkeiten. Und wo Flüssigkeiten bewegt werden, da sind Pumpen nicht wegzudenken. Grundfos verkauft jedes Jahr mehrere hunderttausend Pumpen für die Werkzeugmaschinenindustrie. Pumpen sind besonders hier von immenser Bedeutung. Und daher können Pumpen-Umsatzzahlen auch ein äußerst verlässlicher Indikator für die Entwicklung und die Situation in dieser Branche darstellen.

Die Leistungszahlen der Grundfos Werkzeugmaschinenbranche in 2012 entsprechen mit ihren Höhen und Tiefen (von ein paar wenigen Monaten abgesehen) ziemlich genau den Entwicklungen des Weltmarkts.

US-Wachstum
2012 war für Grundfos ein Jahr mit schwachen Umsatzsteigerungen weltweit. Unsere Zahlen lagen ein wenig über dem allgemeinen Marktniveau, wo ein Minus von 5-10 % verzeichnet wurde. Doch dank des Wachstums in einigen Ländern konnten wir passable Ergebnisse einfahren.

Eines der Länder, die dazu beigetragen haben, waren die USA. Hier konnte Grundfos ein Wachstum von mehr als 15 Prozent mit stetig steigender Nachfrage verzeichnen. Trotz der Turbulenzen im Rahmen der Präsidentschaftswahlen und der schlechten Wirtschaftslage ging es der US-amerikanischen Automobilindustrie als größter Kunde für Werkzeugmaschinen sehr gut. Man schreibt jetzt statt roter wieder schwarze Zahlen.

Europäische Flaute
Die Umsatzentwicklung der europäischen Werkzeugmaschinenbranche lief Anfang 2012 sehr gut an, verlangsamte sich aber bis zum Ende des Jahres erheblich. Deutschland und andere Länder, wie z. B. Italien, begannen das Jahr mit starken Zahlen, ließen dann jedoch sehr stark nach. Sogar für ein Land wie die Schweiz mit alten Wurzeln im Werkzeugmaschinenbau war 2012 ein zähes Jahr. Dies mag am starken Schweizer Franken gelegen haben, der die Wettbewerbssituation der Werkzeugmaschinenbauer schwierig gestaltet hat.

Auch Japan hatte als der weltweit größte Werkzeugmaschinenhersteller einen hervorragenden Start ins Jahr 2012. Doch hier ließen nicht nur die Umsatzzahlen nach – was bis zum gewissen Maß (auch) auf die starke Landeswährung zurückzuführen war – sondern brachte eine weitere Nebenwirkung mit sich. Aufgrund des starken Yens wurde für ausländische Firmen der Export nach Japan erleichtert. Maschinen aus dem Ausland waren günstiger und damit weitaus konkurrenzfähiger als japanische Produkte.

Doch nach Aussagen der japanischen Werkzeugmaschinenhersteller sind die Umsätze gerade mit Spitzenprodukten und Präzisionsmaschinen immens gestiegen. Bei den einfacheren Werkzeugmaschinen lassen sich hingegen – wahrscheinlich aufgrund der nachlassenden Nachfrage in China - sehr schlechte Zahlen verzeichnen.

Auch China musste einsehen, dass kein Land stetig hohe Wachstumsraten aufrecht halten kann. Hier lassen sich starke Rückgänge bei den Anlageninvestitionen beobachten.

Diese Entwicklung wirkt sich fatal auf ein Land wie Taiwan aus, das zu den fünf größten Werkzeugmaschinenproduzenten weltweit gehört. Da mehr als 60 Prozent der in Taiwan hergestellten Güter nach China verkauft werden, hat die geringe Nachfrage in China zu einem Konjunkturrückgang in Taiwan geführt. Doch auch wenn in Taiwan die Branche die Hoffnung nicht aufgibt und immer wieder auf das nächste Quartal hofft, so hat sich die Situation bislang nicht wirklich verbessert. Taiwan ist einem Konjunkturtief näher als einem Konjunkturhoch, so dass die Entwicklung eigentlich nur noch in eine Richtung gehen kann.

Ein weiteres für den Werkzeugmaschinenbau bedeutendes Land ist Korea. Doch auch hier hat sich die gleiche Entwicklung wie in Europa eingestellt. Die Zahlen für die erste Jahreshälfte 2012 waren sehr positiv und ließen sich zum Großteil auf Investitionen der Automobilindustrie zurückführen. Doch auch in Korea stagnierten die Umsätze im letzten Quartal. Was waren die Gründe hierfür? Wir wissen es nicht.

Und was wird kommen?
Wir erwarten für 2013 ein umgekehrtes Bild von 2012, mit einem schwachen ersten oder zweiten Quartal und einem guten Umsatzplus in der letzten Jahreshälfte. Dank des leichten Wachstums in den USA wird auch China wieder an Boden gewinnen. Auch hat sich durch die Stille in 2012 eine neue Nachfrage entwickelt. Das 586$-Milliarden-Konjunkturprogramm der Regierung im vergangenen Sommer hat das Ziel, Infrastrukturprojekte zu fördern.

Auch Japans neue Regierung hat angekündigt, die Wirtschaft mit öffentlichen Infrastrukturprojekten anzukurbeln. Diese Ankündigung hat den Nikkei-Index an der Börse Tokio steigen und den Yen drastisch um 10-15 Prozent sinken lassen. Auf diese Weise konnte sich die Wettbewerbsfähigkeit japanischer Produkte verbessern lassen, so dass eine Nachfrage nach Werkzeugmaschinen zu erwarten ist. Der Auftragsbestand des vergangenen Jahres wird höchstwahrscheinlich zu einer Erhöhung der Inlandsnachfrage führen.

Doch die Entwicklung in Europa bleibt weithin unsicher. Die Krise im Süden Europas hält an. Doch angesichts vorhandener Ressourcen hat sich Europa dazu entschieden, gemeinsam einen Weg aus der Krise zu suchen. Der eine oder andere mag sogar sagen, dass die Krise im Süden Europas seinem Ende zugeht und Europa  – auch wenn sehr langsam – bald wieder Wachstum zeigen wird.
Auch wenn für Deutschland für 2013 kein Wachstum erwartet wird, kann der Rest Europas dieses vielleicht ausgleichen.
Andere Länder, wie z. B. Russland haben einen ungeheuer großen und wachsenden Bedarf an Werkzeugmaschinen. Es ist sogar denkbar, dass Russland nicht nur Maschinen importiert, sondern mit einer eigenen Produktion von Werkzeugmaschinen beginnt.

Alles in einem meinen wir, dass „es nicht so schlimm ist, wie es aussieht“. Die Zeit für Wachstum steht wahrscheinlich entgegen jedem Anschein kurz vor der Tür und verhilft uns zu einer kleinen Überraschung im positiven Sinne.

Mithilfe monatlich erscheinender Grundfos Industrieindikatoren können Sie Rückschlüsse auf die Entwicklungen des Marktes ziehen. Wir stehen für Sie in Alarmbereitschaft – und verschaffen Ihnen mit diesem regelmäßig erscheinenden Bericht einen Eindruck darüber, in welche Richtung sich der Werkzeugmaschinenmarkt entwickelt.

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