Ein Brief aus China: Was tun, wenn sich der Markt rückläufig entwickelt?

Kommentar: Die rückläufige Entwicklung des weltweiten Werkzeugmaschinenmarkts zwingt zu einem branchenweiten Umdenken.

Von Sean Xie, Geschäftsführer, Grundfos Pumps (Chongqing) Co., Ltd.

Von Sean Xie, Geschäftsführer, Grundfos Pumps (Chongqing) Co., Ltd.

Der Werkzeugmaschinenmarkt in China hat in den letzten 3 Jahren besonders hohe Zuwachsraten zu verzeichnen gehabt. Das Wachstum in China lag sogar noch über dem in Deutschland. China steht nach dem Marktführer Japan an zweiter Stelle.
Nach der globalen Wirtschaftskrise im Jahr 2008 verlagerten sich die Produktionsstandorte nach Asien, wo China als Marktführer gilt.

Die Binnennachfrage ist der maßgebliche Motor für die chinesische Industrie. Internationale Städte im Osten des Landes – Shanghai, Peking – besitzen ein enormes Wachstumspotenzial. Durch die Westorientierung der Politik verschiebt sich der Entwicklungsfokus des Landes mittlerweile immer mehr auf die Märkte im Südwesten und Nordwesten, wo ein starkes Marktwachstum erwartet wird.

Die Rahmenbedingungen für die Industrie sind in China äußerst vorteilhaft. Das liegt nicht nur an der Vielzahl von Arbeitskräften, sondern auch an den niedrigen Arbeitskosten, umfangreichen Ressourcen und der hervorragenden Logistik.

Herausforderungen für China
Dennoch muss sich die Industrie in unserem Land einigen komplexen Herausforderungen stellen. Und die Art und Weise, wie chinesische Unternehmen diese Probleme angehen, entscheidet über ihr Gelingen oder Scheitern in den kommenden Jahren. Zu diesen Herausforderungen gehören:

- fehlende Wettbewerbsvorteile
Auch wenn China mit die größte Fertigungsindustrie besitzt, befinden wir uns dennoch vom technologischen Standpunkt gesehen am unteren oder mittleren Ende. Generell mangelt es an Innovation und Hochtechnologie-Unternehmen und natürlich an fehlenden internationalen Wettbewerbsvorteilen.

- restriktive Geldpolitik in China.
Die Geldpolitik der chinesischen Regierung ist restriktiv. Diese Faktoren beeinflussen die Fertigungsindustrie.

Bei der Binnennachfrage stehen die Kosten und nicht die Qualität bzw. innovative Produkte im Vordergrund. Kunden, die wertige und hochwertige Maschinen- und Anlagenkomponenten benötigen, machen Umsatzverluste, da ihre Kunden sich gegen den Kauf ihrer Maschinen entscheiden. Und dies schafft – zusammen mit der Problematik des fehlenden Wettbewerbsvorteils – eine Abwärtsspirale, die nur schwer zu bremsen ist, wenn wir nichts dagegen tun.

- weltweite Konjunkturschwäche
Viele Joint Ventures in China drosseln ihre ausländischen Beteiligungen. Darunter leiden die Exportmärkte. Die Finanzkrise im Jahr 2008, die China wahrscheinlich zum Einstieg des Landes in die Top-Liga des Fertigungsmarktes verholfen hat, ist jetzt allerdings auch ein anhaltendes Problem.

Zeit zum Nachdenken
Alles deutet darauf hin, dass jetzt  – in der Zeit der Entschleunigung  – die wichtigen Strategien, d.h. die Vertriebs- und Marketingstrategie wie auch die allgemeine Unternehmenstrategie, zu überdenken sind. Jetzt ist es an der Zeit, über die Schwachstellen und mögliche Verbesserungsmaßnahmen nachzudenken.

Bei einem hohen Umsatz haben wir keine Zeit, uns über diese Dinge Gedanken zu machen. Ergreifen Sie die Gelegenheit, jetzt darüber nachzudenken, wie Sie nicht nur die Qualität und technische Ausführung Ihrer Produkte, sondern auch Ihr Management verbessern können. Natürlich sollen Sie Ihr traditionelles Geschäftsmodell nicht vollständig über Bord werfen, aber Sie müssen auch versuchen, etwas Neues auszuprobieren.

Wir haben das getan und es hat unsere Einstellung zu unserem Unternehmen und seinem Geschäftsgebaren verändert.
An erster Stelle steht ein Treffen mit unseren wichtigsten Kunden, den OEM-Herstellern. Früher haben wir ausschließlich mit den OEM-Herstellern der Werkzeugmaschinen und -anlagen und nie mit ihren Kunden – den Endkunden – Geschäfte getätigt.

Die Kunden unserer Kunden
Heute sprechen wir diese Endkunden direkt an – entweder zusammen mit unseren OEM-Herstellern aber auch allein. Wir benötigen Informationen über das Unternehmen und seine spezifischen Anforderungen. Vielleicht erhalten wir auch Kenntnis über neue, uns unbekannten Anforderungen, von denen unser OEM-Hersteller jedoch wusste. Wir möchten mehr über die kundenspezifischen Prozesse erfahren, da wir nur so verbesserte Lösungen anbieten können. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, können möglicherweise einige Anpassungen – bei der Technologie, unseren Produkten und unserer Zulieferkette – erforderlich sein.

Wir haben unsere Kunden aus der Automobilbranche wie auch ihre Kunden zu mehreren Seminaren eingeladen. Wir möchten von ihnen lernen und ihnen gleichzeitig unsere Technologie nahe bringen.

Wir möchten, dass sie unsere vollständige Produktpalette an Premium-Pumpenlösungen kennenlernen. Sie sollen wissen, wie sie mit unserer Hilfe Energie einsparen können, indem wir in einem professionellen Energie- oder Pumpenaudit die Bereiche ermitteln, in denen ein hohes Energieeinsparpotenzial besteht.

Wir möchten unseren OEM-Herstellern dabei helfen, höhere Umsätze einzufahren und dabei nachhaltig zu bleiben. Doch dafür ist ein Umdenken erforderlich. Wir müssen in vielen Bereichen Neuland betreten, doch wenn wir erfolgreich sind, dann leisten wir unseren Beitrag, um der chinesischen Wirtschaft zu stetigem Wachstum zu verhelfen.

 

 

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